Blutritt in Weingarten bei kühlen Temperaturen

WEINGARTEN (db)- Am Blutfreitag, dem Freitag nach Christi Himmelfahrt, findet in Weingarten der Blutritt statt, der die größte Reiterprozession europaweit ist. Zu dem kirchlichen Brauchtum kommen jedes Jahr viele Reiter aus nah und fern. Dazu gehört auch die Blutreitergruppe des Reit- und Fahrvereins Röhlingen. 

Unzählige Zuschauer säumten die Wege, als die Prozession der Blutreiter bei relativ kühlem Wetter durch die Straßen zog. Rund 1800 Reiter, verteilt auf fünfundneunzig Blutreitergruppen, waren dabei. Die einzelnen Blutreitergruppen sind teilweise mehr als hundert Reiter stark. Das Interesse am Blutritt in Weingarten ist ungebrochen. Die Blutreitergruppe des Reit- und Fahrvereins Röhlingen war dieses Jahr mit einer Abordnung von sieben Reitern vertreten. Sie wurden von Familienmitgliedern und Freunden als Pilger begleitet. Für die Röhlinger Blutreiter ritten bei strahlendem Sonnenschein Wolfgang Walter, Franziska Weber, Denis Abele, Helmut Hohnheiser, Josef Graser, Renate Berhalter und Inga Maierhöfer. Seit 1973 geht diese Gruppe regelmäßig nach Weingarten zum Blutritt. Ursprünglich wurde die Blutreitergruppe vom Reit-und Fahrverein Röhlingen von Josef Betzler, dem „Sattler“ von Röhlingen, gegründet, um beim Blutritt in Weingarten mitreiten zu können. Als Gruppenführer leitete er diese viele Jahre. Seit 1999 hat diese Aufgabe der Ehrenvorsitzende Gebhard Bühler übernommen. Weiterhin waren aus dem Ostalbkreis die Blutreitergruppen von Jagstzell und  Neuler vertreten.

Die Festpredikt am Donnerstag Abend hielt in diesem Jahr Bischof Dr. Klaus Krämer aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart, der auch das Pontifikalamt am Freitag hielt. Heilig-Blut-Reiter war in diesem Jahr Pater Pirmin Meyer OSB, der den krankheitsbedingt ausgefallenen Dekan und Pfarrer Ekkehard Schmid vertrat. Das Pilgeramt am Freitag hielt Pastoralreferent Benjamin Sigg vom Dekanat Allgäu-Oberschwaben.

Der Blutritt von Weingarten hat bei den Reitern einen besonders hohen Stellenwert. Wie stark die Reiter mit dem Blutritt zu Weingarten verbunden sind, zeigen die vielen Jubiläen. Es gibt Blutreitergruppen mit 50-jährigem Bestehen, mit 75 Jahren und 100 Jahren. Einzelne Reiter waren selbst schon fünfzig oder gar bis zu siebzig Mal dabei. Der Blutritt von Weingarten unterschied sich lange von den anderen bekannten Blutritten. Bei den “normalen” Blutritten konnte jeder Reiter teilnehmen. In Weingarten war dies anders. Nur eine Blutreitergruppe, deren Bewerbung angenommen wurde, darf teilnehmen. Zur Ausstattung zahlreicher Pferde gehört auch eine Kandare, bei den Reitern ist Frack mit Zylinder seit 1905 erwünscht. Aus Tradition waren in Weingarten nur männliche Reiter vertreten, was den Blutritt ebenso von den anderen Blutritten abgrenzt. Weibliche Reiter waren nur zugelassen, wenn sie Ministrantinnen waren. Erst seit wenigen Jahren ist der Blutritt auch für Frauen zugelassen. Bei den Altersgruppen sind viele Senioren vertreten. Viele Reiter sind über 70 Jahre alt und immer noch dabei. Es sind aber auch junge Reiter zu sehen, teilweise sind diese erst sechs bis sieben Jahre alt.

Info: Die Heilig-Blut-Reliquie ist ein Teil eines in Mantua aufgefundenen Schatzes und gelangte in Jahr 1094 durch Juditha, die Tochter Richard III. von der Normandie, nach Weingarten als Stiftung an das Kloster.

Aus einem Flurumgang zu Fuß, später auch zu Pferd, in der Bittwoche mit der Heilig-Blut-Reliquie zum Segen der keimenden Saaten entwickelte sich der Blutritt von Weingarten, u.a. 1529 als “von altersher” bezeugt.

Diese Info stammt aus dem “Festgruß zum Blutfreitag in Weingarten am 15. Mai 2026”, “Ursprung und Bedeutung der Heilig-Blut- Reliquie” von Dekan Ekkehard Schmid und aus dem Heft “Das Heilige Blut zu Weingarten”.

Hier haben wir ein paar Impressionen vom Blutritt:

Morgens ist im Stall fleissiges Arbeiten…
Die Pferde fressen noch ihr Frühstück…
Und die Reiter bereiten die Pferde vor…
Draussen ist schon Julia fleissig. Sie guckt nach den Schärpen….
Die Schärpen werden verteilt…
Drinnen sind die Pferde fertig…
Die Pferde werden rausgeführt…
Jürgen wartet mit der Standarte…
Letzte Handgriffe beim Anlegen der Schärpen…
Hier werden noch die Hufe eingefettet…

Alle helfen zusammen, damit die Reiter zügig morgens loskommen zum Aufstellplatz. Die Reiter kamen am Vortag schon an, haben den Stall eingerichtet und waren abends auf der Lichtermesse. Die Nacht war sehr kurz…

Alle sitzen im Sattel…
Es geht los. Abritt vom Stall in Nessenreben…
Die Reiter auf dem Weg zum Aufstellplatz…
Der Aufstellplatz ist dieses Jahr im Klostergarten…
Die Standarten kann man in den Halterungen aufbewahren…
Im Garten wird gewartet, bis sich die Reiter in den Zug einreihen..
Der Blutreiter Pater Pirmin Meyer besucht und segnet die Reiter…
Fast alle am Aufstellplatz erwischt…
Es geht endlich los…
Hier kommen sie an der Kirche unten vorbei…
Die Gruppe beim Blutritt…
Die Gruppe beim Blutritt…
Sie kommen zurück. Ein Reiter ist nicht von uns, der gehört zur vorherigen Gruppe…

Dieses Jahr war es wenigstens trocken während des Blutritts. Der Regen kam erst später. Auch, wenn die Wolken aussehen, als ob gleich viel Regen kommt. Leider waren es nur um die 10 Grad, also etwas frisch. Kurz nach zwölf Uhr waren unsere Reiter wieder am Stall in Nessenreben. Dort hiess es dann absatteln, Pferde versorgen, selbst kurz was essen und dann alles für die Abreise nach Hause richten. Stall säubern und alles wieder ordentlich hinterlassen. Bis zum nächsten Jahr…